Sky Deutschland steht zum Verkauf – doch wer könnte zuschlagen?

Der US-Konzern Comcast musste diese Woche einen Quartalsverlust von 4,6 Milliarden US-Dollar melden, der nur von einem bestimmten Effekt getrieben wurde: einem Verlust von 8,6 Milliarden US-Dollar von seiner europäischen Tochtergesellschaft Sky, die 2012 in einen Bieterkrieg verwickelt war. 2018 von Fox übernommen – derzeit mit 33 Milliarden Euro bewertet. Doch gleichzeitig trübt neben der Streaming-Konkurrenz auch ein hartes wirtschaftliches Umfeld das Geschäft – und die Euroschwäche führt dazu, dass Sky Comcast deutlich geringere Gewinne erwirtschaftet als erwartet – ein überwiegend deutsches und italienisches Geschäft.


So viel zu den Hintergründen des Bloomberg-Berichts, dass Comcast nun über einen Verkauf von Sky Deutschland nachdenkt. Der Wert wird hier auf eine Milliarde Euro geschätzt – ein Bruchteil des Preises, der 2018 für die gesamte Gruppe bezahlt wurde. Das verwundert auch deshalb, weil Sky Deutschland in den letzten Jahren immer mehr in die Sky Group integriert wurde: Viele Entscheidungen werden nicht mehr in Unterföhring, sondern in London getroffen. Wie bei den Inhalten der technisch voneinander abhängigen Lösungen von Sky wird auch hier verstärkt auf transnationale Sky-Produktionen zurückgegriffen. So ist die Trennung von Sky Deutschland von der Sky Gruppe heute deutlich komplizierter und kann mehr Probleme bereiten als noch vor einigen Jahren.

Sky Deutschland muss also definitiv woanders aufgebaut werden. Wenn Sie zum Beispiel nach Europa schauen, werden Sie auf Vivendi stoßen. In Frankreich ist die Gruppe mit der Canal+-Gruppe der Pay-TV-Platzhirsch, in Deutschland wird sie exklusiv auf der Produktionsseite Studiocanal gezeigt. Mit Watchever versuchten sie, ins Streaming-Geschäft einzusteigen, scheiterten aber Ende 2016. Allerdings liebäugeln sie nach eigenen Angaben mit einer Rückkehr auf den deutschen SVoD-Markt – und Sky wäre sicherlich eine Chance, groß rauszukommen. Mit Bollore hat er zudem einen finanzstarken Investor hinter sich. Eine weitere europäische Gruppe mit Ambitionen auf dem deutschen Markt wäre die Viaplay Group aus Skandinavien. 2023 wollen sie ihren Streaming-Dienst nach Deutschland bringen – und in Großbritannien haben sie bereits gezeigt, dass sie auch sportlich mitmischen wollen. Dennoch stellt sich die Frage, ob der Himmel zu groß ist.

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Zumal sich für beide Unternehmen die Frage nach tatsächlichen Synergien aus der Übernahme von Sky gestellt hat – die Integration in den Sky-Konzern war offenbar unzureichend. Einige Berichte haben DAZN als möglichen Käufer angesprochen. Das hätte natürlich vor allem aus Sicht der Fußballfans seine Reize, wären doch die Rechte an der Bundesliga wieder in denselben Händen. Allerdings ist das auch eines der Probleme: Eine solche Übernahme löst das Kartellamt aus, das gefordert hat, dass nicht alle Live-Rechte für die DFL beim selben Anbieter liegen dürfen – demnach müssten die kombinierten Direktspiele von DAZN/Sky sein Teil desselben Forego. Damit hat DAZN zwar bei künftigen Rechtedeals keinen Konkurrenten mehr um teure Rechte – die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass in solche Lücken immer wieder andere eingestiegen sind. Angesichts des überfüllten Streaming-Marktes sind die Kandidaten längst überfällig.

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Vor allem ignoriert Sky, dass es weit mehr ist als Fußball und Sport im Allgemeinen. Mit dem Film- und Serienbereich konnte DAZN nichts anfangen. Aber genau das hat ein anderes amerikanisches Unternehmen zu Sky gemacht: Warner Bros. Macht einen sehr engen Partner für Discovery. Sky ist seit vielen Jahren deutscher Partner von HBO und strahlt alle Serien des Konzerns in Deutschland aus, wie zum Beispiel das Game of Thrones-Prequel House of Dragons. HBO-Mutter Warner Bros. Discovery bildet bereits das Herzstück des fiktiven Angebots von Sky.

Stattdessen Warner Bros. Für Discovery bedeutet dies, dass Sie diesem Partner noch einige Jahre auf dem deutschen Markt treu bleiben. Der Grund, warum HBO Max noch nicht nach Deutschland gekommen ist – und warum der kombinierte Streaming-Dienst von HBO Max und Discovery+ (nennen wir es spaßeshalber Warner+) so schnell nicht in Deutschland funktionieren wird. In diesem Land müssen Sie Discovery+ im Gegensatz zu anderen Ländern weiterhin selbst betreiben. Eine Übernahme von Sky würde dieses Problem lösen und Netflix, Prime Video und Co.

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Warner Bros. Discovery bringt auch Expertise für heimische Fiction- und Sachbuchproduktionen nach Deutschland – und die Gruppe ist auch im Sport aktiv und arbeitet unter anderem mit Eurosport zusammen. Es dreht sich alles um Warner Bros. Das macht Discovery zu einem idealen Kandidaten, um die Lüfte zu übernehmen – wenn das Unternehmen nicht genug eigene Baustellen hat. Es wäre positiv übertrieben zu sagen, dass die Fusion von Warner und Discovery im Dunkeln liegt und auch David Zaslav Kosten zügeln muss, um den durch Synergien angehäuften Schuldenberg schnellstmöglich abzubauen. In dieser Zeit dürfte eine Milliarde für Sky nicht einfach werden. Andererseits: Halte ein solches Unternehmen nicht billiger als in der Krise.

Wenn angesichts der schwierigen Umstände kein anderer Medienkonzern Sky übernehmen kann oder will, bietet ein anderes Unternehmen eine etwas krisenfestere Option an: die Telekom zum Beispiel und vielleicht sogar Vodafone. Sky agiert neuerdings eher als Plattform und hat die Dienste mehrerer Anbieter integriert – eigentlich ist es ein klassisches Geschäft von Infrastrukturanbietern. In Großbritannien hat Sky selbst schon immer Breitbandzugänge angeboten, und die aktuelle Sky-Mutter Comcast ist auch eine gemischte Gruppe von Infrastruktur- und Inhaltsanbietern – etwas Ähnliches kann jetzt in Deutschland getan werden. Fest steht jedenfalls: Die heutige Ankündigung dürfte Managern mancher Unternehmen zu denken geben.

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