Nach 1300-Punkte-Rally : Die DAX-Käufer werden müde


Marktbericht

Stand: 28.10.2022 09:27

Nach einem jüngsten Kraftakt zeigt der DAX erste Ermüdungserscheinungen. Die enttäuschende Entwicklung des US-Technologiesektors ist ein guter Grund, Gewinne mitzunehmen.

Den DAX-Käufern droht zum Ende der Woche die Puste auszugehen. Deutsche Benchmarks fielen nach Handelsstart auf XETRA um 0,9 Prozent auf 13.099 Punkte. Nach sechs aufeinanderfolgenden positiven Handelstagen droht die Erfolgsserie im Leitindex zu enden.

DAX entkommt

Aus technischer Sicht überrascht es nicht, dass sich die Aufwärtsbewegung an dieser Stelle abschwächt. Mit dem Anfang des Jahres etablierten Abwärtstrend – aktuell bei 13.322 Punkten – rückt eine wirklich wichtige Widerstandslinie ins Blickfeld der Anleger.

Die technischen Analysten von HSBC blicken daher auch nach unten: „Das Hoch vom 18. Oktober (12.931 Punkte) bestimmt hier die anfängliche Unterstützung.“ Deutlich wichtiger sind laut Charts die Zonen bei 12.600 Punkten.

Spannung vor Inflationsdaten

Aus fundamentaler Sicht ist es vor allem eine Phase gemischter Tech-Berichterstattung in den USA – der Tech-Riese Amazon hat gestern wieder einmal Angst gemacht –, die Investoren dazu veranlasst, vor weiteren Übernahmen zurückzuschrecken.

Aber den Kalender im Auge zu behalten, warnt Anleger auch davor, vorsichtig zu sein. Heute stehen wichtige Wirtschaftsdaten aus Deutschland auf dem Programm. Am Vormittag wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Sommerquartals und am Nachmittag die Inflationsrate für Oktober vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht.

Die Inflation in Deutschland lag im September mit 10,0 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1951. Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen könnte sie im Oktober auf 10,1 Prozent steigen.

Wirtschaftsaktualisierung 28.10.2022

Dorothy Holtz, HR, 28.10.2022 09:53 Uhr

Die Fed könnte einen Gang zurückschalten

Gleichzeitig kommt DAX-Unterstützung von den Zentralbanken. EZB-Chefin Christine Lagarde hat sich nach der gestrigen XXL-Zinserhöhung um 75 Basispunkte stattdessen aufgewühlt und auf das Risiko einer Rezession hingewiesen.

Auch in den USA könnte die Federal Reserve bis zum Punkt der Rezession straffen. Wetten auf den Zinsterminmärkten deuten darauf hin, dass der Dezember um weitere anderthalb Punkte steigen sollte. Er soll in den nächsten beiden Sessions um maximal 0,5 Punkte steigen.

Amazon macht Anlegern Angst, Aktien purzeln

Unterdessen verlief die US-Tech-Berichtssaison bisher enttäuschend. Gestern Abend, nach US-Börsenschluss, kam die nächste Explosion: Der E-Commerce-Riese Amazon kündigte für das laufende Weihnachtsquartal einen Umsatz von 140 bis 148 Milliarden US-Dollar an.

Auch Lesen :  Die Blu-ray der PS5-Version von Call of Duty: Modern Warfare 2 beherbergt nur 72 MB Daten

Bisher schätzten Analysten etwa 155 Mrd. Gleichzeitig warnte das Unternehmen davor, dass der Gewinn aufgrund der Kostensteigerung sinken könnte. Amazon-Aktien fielen im nachbörslichen Handel in den USA um 19 Prozent, der steilste Rückgang seit vor 16 Jahren.

Apples iPhone-Verkäufe sind enttäuschend

Laut Experten kommt Apple derzeit deutlich besser mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zurecht als Amazon und andere Technologiekonzerne. Aber auch Apple enttäuschte nach dem Handelstag, da der Technologieriese die Markterwartungen für iPhone-Verkäufe verfehlte und auch vor niedrigeren Verkäufen für das laufende Quartal warnte. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel 2 Prozent.

Nicht die erste Enttäuschung für Tech-Investoren

Vor allem Apple und Amazon – einer der enttäuschenden Quartalsberichte der US-Technologiebranche: In dieser Woche zeigten der Softwarekonzern Microsoft, die Google-Mutter Alphabet und Meta – der Betreiber von Facebook, Instagram und WhatsApp – eine schwache Performance.

Meta-Aktien fallen, Nasdaq Deep Red

Schwache Quartalsergebnisse für Tech-Schwergewichte belasteten gestern die US-Aktien im regulären Handel. Der Nasdaq fiel um weitere 1,6 Prozent auf 10.792, nachdem er am Mittwoch im Minus geschlossen hatte, belastet durch schwache Metazahlen.

Meta-Aktien verloren gestern fast ein Viertel ihres Wertes, und auch andere Branchenriesen wie Amazon und Apple verloren. Der breitere Index S&P 500 verlor 0,6 Prozent auf 3.807 Punkte, während der Dow Jones Industrial Average 0,6 Prozent zulegte.

Die chinesischen Aktienmärkte schlossen im Minus

Zum Ende der Woche standen auch die asiatischen Aktienmärkte aufgrund der negativen Entwicklung der amerikanischen Aktienmärkte unter Druck. Der 225-Punkte-Nikkei-Index fiel um 0,7 Prozent und schloss bei 27.152. Auch in China befürchteten Anleger, dass das Wachstum unter der neuen Führung von Präsident Xi Jinping einer ideologisch motivierten Politik zum Opfer fallen könnte.

Die Shanghaier Börse fiel um 1,7 Prozent und erreichte 2933 Punkte. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fiel um zwei Prozent und erreichte 3559 Punkte. In Hongkong fiel der Hang-Seng-Index um 3,5 Prozent auf 14.889 Punkte.

Der Euro bewegte sich am Morgen kaum

Der Euro, der vom gestrigen EU-Treffen unter Druck geriet und gegenüber dem Dollar wieder gefallen ist, befindet sich heute Morgen in einer Seitwärtsbewegung. Aktuell beträgt der Wechselkurs für einen Euro 0,9971 Dollar.

Die Ölpreise steigen nicht

Die Ölpreise sanken am Morgen leicht und stoppten die Gewinne der letzten Handelstage vorerst. Marktbeobachter wiesen auf eine allgemein düstere Stimmung an den Finanzmärkten hin, die die Ölpreise vor dem Wochenende belastete. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete kürzlich 96,19 $. Das sind 77 Cent mehr als am Vortag.

Auch Lesen :  Standort Valencia wird immer teurer

Airbus profitiert vom starken Dollar

Beim DAX steht heute Vormittag die Airbus-Aktie im Fokus. Ein starker US-Dollar und eine Wiederbelebung der Jet-Herstellung haben dem weltgrößten Flugzeughersteller Auftrieb gegeben. Der Umsatz stieg im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Der Überschuss stieg sogar um 65 Prozent und erreichte 667 Millionen Euro.

Die Stärke des Dollars gegenüber dem Euro könnte für das Gesamtjahr deutlich mehr Cash in die Kassen bringen: Der Free Cashflow aus Fusionen und Kundenfinanzierungen soll um 4,5 Milliarden Euro höher ausfallen als bisher prognostiziert. Milliarden Euro.

VW-Konzern mit sinkenden Gewinnen

Der Volkswagen Konzern hat im dritten Quartal erhebliche Fortschritte im Tagesgeschäft erzielt, war jedoch gezwungen, den Jahresüberschuss und die Auslieferungspläne für das Gesamtjahr zu kürzen. Der Gewinn nach Steuern betrug 2,13 Milliarden Euro, da Volkswagen 1,9 Milliarden Euro aus dem Finanzergebnis der Liquidation des Ford-eigenen Roboterauto-Startups Argo AI einbehalten musste.

Porsche wird sein Geschäft deutlich ausbauen

Die börsennotierte Sportwagentochter des VW-Konzerns, die Porsche AG, ist in den ersten neun Monaten deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg laut Zwischenbericht des Wolfsburger Mutterkonzerns um fast 16 Prozent auf 26,7 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis stieg auf 5,05 Milliarden Euro von knapp 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Auch die Stuttgarter Finanzdienstleistungen sind in den Zahlen enthalten.

Telekom-Tochter T-Mobile hebt Wachstumsprognose an

Auch die Aktie der Deutschen Telekom ist heute einen Blick wert. Die Telekom-Tochter T-Mobile US hat ihre Wachstumsprognose nach einem starken dritten Quartal erneut angehoben. Das Unternehmen rechnet nun damit, das Geschäftsjahr mit 6,2 bis 6,4 Millionen neuen Vertragskunden abzuschließen. Bisher lautet das Ziel 6,0 Millionen bis 6,3 Millionen neue Nutzer.

ProSiebenSat.1 trotzt erneut der Prognose

Das TV-Unternehmen ProSiebenSat.1 senkt seine Prognose erneut aufgrund schlechter Aussichten für das Werbegeschäft im wichtigsten Quartal. Neben dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine und der anhaltend hohen Inflation belastet die Konsumzurückhaltung die Verbraucher.

Der Softwarespezialist Compugroup wird pessimistisch

Auch Compugroup Medical, ein auf Arztpraxen und Krankenhäuser spezialisierter Softwareanbieter, gab einen pessimistischen Ausblick für das laufende Jahr. Denn das Unternehmen gab gestern Abend bekannt, dass die Projekte auf 2023 verschoben werden. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sieht das Softwareunternehmen zwischen 1,70 und 1,90 Euro statt zwischen 1,90 und 2,10 Euro.

Auch Lesen :  10-Euro-Döner in Frankfurt: Dönerladen bekommt schlechte Bewertungen

OMV mit Milliardenumsatz

Stark gestiegene Öl- und Gaspreise haben beim Wiener OMV-Konzern zu einem Gewinnsprung geführt. Der bereinigte Umsatz stieg im dritten Quartal auf 1,2 Milliarden Euro nach 781 Millionen Euro im Vorjahr. Um die Aktionäre an dem unglaublichen Erfolg teilhaben zu lassen, will der halbstaatliche Konzern für 2022 nun zusätzlich zur regulären Dividende eine Sonderdividende von 2,25 Euro je Aktie zahlen.

Steigende Gas- und Ölpreise werden Eni Auftrieb geben

Auch die italienische Eni-Gruppe reiht sich in die Reihe der Ölkonzerne ein, die Milliarden von hohen Energiepreisen einstreichen. Der Jahresüberschuss stieg von 1,4 Milliarden Euro auf 3,7 Milliarden Euro. Einen Tag zuvor meldeten die Konkurrenten Shell und TotalEnergies höhere Gewinne aufgrund steigender Gas- und Ölpreise.

Ein überraschend guter Start für die IAG

Eine starke Freizeitnachfrage und eine stetige Erholung bei Geschäftsreisen führten zu einem überraschend guten Sommer für den Luftfahrtkonzern IAG. In London gab die Muttergesellschaft von British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus und Level bekannt, dass der Umsatz im dritten Quartal mit 7,3 Milliarden Euro fast ein Prozent höher war als 2019, also vor der Pandemie.

Air France-KLM erwirtschaftet Milliardenumsätze

Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM übertraf mit einem Milliardengewinn im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten. Im Zeitraum Juli bis September erzielte der Konkurrent Lufthansa einen Betriebsgewinn von 1,02 Milliarden Euro, während die unternehmenseigene Analystenschätzung bei nur 844 Millionen Euro lag.

Musk betreibt jetzt Twitter

Der Unternehmer Elon Musk übernahm die Kontrolle über Twitter und entließ sofort drei Top-Manager des Kurznachrichtendienstes. Nachdem Musk ausgestiegen war, stimmte er zu, Anfang Oktober Twitter für 44 Milliarden Dollar zu kaufen. Quellen sagen, dass der Tech-Milliardär zuerst selbst den Spitzenjob übernehmen will.

Intel dürfte die Prognose noch einmal senken

Die jüngste Rezession hat dazu geführt, dass die Gewinne von Intel gesunken sind. Infolgedessen hat der Chiphersteller seine Pläne zum zweiten Mal in diesem Jahr heruntergestuft. Das Unternehmen erwartet bis 2022 nur noch 63 bis 64 Milliarden Umsatz, statt 65 bis 68 Milliarden Dollar.

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button